Ein Server-Fehler legt die Systeme des Landtags NRW lahm. Der Spieleentwickler Capcom meldete den Diebstahl von Kundendaten, während die Europa- und Nordamerika-Produktion des TAKKT-Konzerns nach einer Attacke ausfiel. All das wird von der Entdeckung mehrerer schwerwiegender PHP-Sicherheitslücken überschattet.
Am 21. Oktober vermeldete der Stuttgarter B2B-Handelskonzern TAKKT einen Cyberangriff auf seine IT-Systeme. Betroffen sind demnach die Geschäftsbereiche „Industrial & Packaging“ in Europa sowie „Foodservices“ in Nordamerika, zu denen unter anderem die Marken kaiserkraft, Ratioform, Hubert und Central gehören.
TAKKT leitete Schutzmaßnahmen ein. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, nahm das Unternehmen Teile seiner IT-Infrastruktur außer Betrieb. Kunden konnten weiterhin Bestellungen aufgeben, doch Auftragsbearbeitung, Kundenservice und Warenauslieferung waren erheblich eingeschränkt.
Der japanische Videospielentwickler Capcom bestätigte einen Sicherheitsvorfall bei seinem Mitgliederdienst „CAPCOM ID“. Das Unternehmen entdeckte die verdächtige Aktivität am 19. Oktober und stellte am 20. einen unbefugten Zugriff fest. Es sind mehr als 11,7 Millionen Kundenkonten betroffen.
Die Angreifer erbeuteten unter anderem E-Mail-Adressen, das Datum der Kontoerstellung, Anzahl der Anmeldungen sowie die IP-Adresse des letzten Logins. Bei einigen Konten wurden zusätzlich Geburtsdaten, Geschlecht, Spitznamen und Länderinformationen kompromittiert. Bei knapp 200 weiteren Konten änderten die Täter die Passwörter.
Capcom hat die betroffenen Passwörter zurückgesetzt und den Vorfall den Behörden gemeldet. Kreditkartendaten waren nicht betroffen.
Vom Abend des 25. Oktobers an fiel das IT-Netzwerk des nordrhein-westfälischen Landtags aus. Am 26. Oktober war das Parlament dem Landtagssprecher nach kaum arbeitsfähig.
Die Störung betraf das digitale und mobile Arbeiten. E-Mails ließen sich nicht senden und empfangen, Intranet und Internetseite waren nicht erreichbar. Auch das elektronische Zugangssystem war gestört, sodass Mitarbeiter mit ihren Schlüsselchips teils nicht in ihre Büros kamen. Das Schleusensystem am Gebäude und das WLAN sollen dagegen noch funktioniert haben.
Am Nachmittag des 26. Oktober verdichteten sich dann die Hinweise auf einen internen Server-Fehler. Auf Nachfrage der dpa wurde ein „Fehler in einem zentralen Speicherteil eines neuen Servers“ als Ursache genannt.
Am 21. Oktober veröffentlichte das PHP-Projekt Notfall-Updates für zwei kritische Schwachstellen im Kern von PHP. Beide erlauben unauthentifizierte Remote Code Execution (RCE) ohne Anmeldung. Noch bevor viele Server gepatcht waren, nahmen Behörden, Kliniken und Universitäten weltweit ihre Webseiten vom Netz. Kurz darauf wurde eine dritte, bis heute ungepatchte Schwachstelle bekannt.
PHP läuft auf rund 70 Prozent aller Webseiten. So bauen Wikipedia, Etsy, Tumblr und unzählige Content-Management-Systeme wie WordPress, Joomla, Drupal und MediaWiki darauf. Eine Lücke im Kern trifft also einen Grundbaustein des Webs.
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