Ein Angriff auf Supermarktketten in Belgien, Estland, Luxemburg und Schweden überhitzte erneut Kühlschränke, das FBI beschuldigt Nordkorea im Fall des 6,36 Mrd. USD-Binance-Diebstahls, und die GMO Internet Group riet Kunden nach einem Erpressungsversuch, ihre Geräte von Internet und Strom zu trennen.
Am 2. November 2026 wurden erneut mehrere europäische Supermarktketten Ziel eines Cyberangriffs auf ihre Kühlsysteme. Betroffen waren unter anderem Delhaize-Filialen von Ahold Delhaize und Spar-Märkte der Colruyt-Gruppe in Belgien und Luxemburg. Auch die Ketten ICA und Coop in Schweden und eine Supermarktkette in Estland meldeten Vorfälle.
Die Angreifer schalteten die Verdampfer der Kühl- und Gefriereinheiten in den Abtau-Modus, wodurch die Temperaturen in den Geräten auf bis zu 50 Grad Celsius anstiegen. Ein Laden in Schweden bemerkte den Angriff, der um 2:00 Uhr morgens begonnen hatte, um 5:30 Uhr.
Die Attacken zwangen Märkte zur Entsorgung von Lebensmitteln. Die Vorfälle ähneln einem Angriff auf hunderte Supermärkte in Frankreich im Vormonat, bei dem Hacker ebenfalls die Temperaturen von Kühleinheiten hochdrehten. Schwedens nationales Cybersicherheitszentrum untersucht die Vorfälle und wies auf eine hohe Anzahl exponierter Betriebstechnologie-Geräte im Land hin.
Am 29. Oktober 2026 griff ein noch unbekannter Täter rund 6,36 Milliarden USD aus Wallets der Krypto-Börse Binance ab, verteilt auf zehn Blockchains. Das meiste davon stahl er in etwa 20 Minuten ab 20:05 UTC. Es ist der größte bekannte Krypto-Diebstahl bisher.
Binance zufolge kompromittierte der Angreifer den Laptop eines DevOps-Ingenieurs, griff auf einen Service-Container zu und reichte dort Auszahlungen ein, die nicht authorisiert waren. Möglicherweise gab es noch weitere Angriffspunkte.
Hinweise auf abgeflossene private Wallet-Schlüssel gibt es bisher nicht. Stablecoin-Emittenten froren ca. 2,7 Milliarden USD ein, rund 2,4 Milliarden USD blieben jedoch beim Angreifer. Binance setzte Ein- und Auszahlungen aus und verspricht, alle Verluste auszugleichen.
Das FBI beschuldigte Ende Oktober offiziell Nordkorea als Täter. Die Ermittler beobachteten, wie Täter gestohlene Assets vor allem in die Kryptowährung Ethereum (ETH) umtauschten. Bisher wurden über 600 Adressen infiziert, die im Zusammenhang mit dem Diebstahl stehen.
Der japanische VPS-Anbieter Onamae Desktop Cloud (Onamae.com) unter dem Dach der GMO Internet Group, bestätigte am 20. Oktober einen Angriff auf seine Infrastruktur. Die Angreifer installierten demnach Schadprogramme in den Serverumgebungen von Kunden. Betroffen sind bis zu 26.739 Systeme, auf denen Kunden mit der Plattform MetaTrader 4 automatisiert an Devisenmärkten handelten.
GMO begann die Untersuchung am 19. Oktober nach mehreren Kundenanfragen. Ab dem 21. Oktober um 4:00 Uhr Ortszeit fuhr das Unternehmen dann die Kundenserver schrittweise herunter. Der Ausfall betraf alle Tarife der Desktop Cloud. Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten deutet der Inhalt der Täterwebsite darauf hin, dass der unbefugte Zugriff mehr als fünf Tage zurücklag.
Einige Kunden meldeten unautorisierte Handelsgeschäfte. Die Täter setzten eine japanischsprachige Website mit Hintergründen und Forderungen an GMO auf. So sollen sie gedroht haben, Kundenkonten zu zerstören, und behaupteten, nie eine Antwort vom Unternehmen erhalten zu haben. Nach eigenen Angaben löschten sie Guthaben auf einigen Konten. Die GMO Internet Group versprach zunächst Entschädigungen für entstandene Verluste.
Die Gruppe kündigte per E-Mail an, die Daten aller Kunden zu veröffentlichen, falls GMO nicht reagieren sollte. Einen Teil der Daten hängte sie als Nachweis an.
Die Täter verlangen acht Milliarden JPY (ca. 45,5 Millionen EUR) Lösegeld von GMO. Das Unternehmen verweigerte die Zahlung und kündigte an, seine Kunden mit je 5.000 JPY (ca. 28 EUR) pauschal zu entschädigen.
Am 26. Oktober warnte GMO seine Kunden, dass die Täter vorhätten, die die gestohlenen Daten zu veröffentlichen und Ransomware auf den Kundensystemen zu aktivieren. Einen Tag später forderte das Unternehmen seine Kunden dann auf, ihre PCs vom Internet zu trennen, diese herunterzufahren und alle Kabel noch vor Mittag abzuziehen.