Colonial Pipeline, der Betreiber einer der größte Benzin-Pipelines der USA, ist Opfer eines Angriffs mit der DarkSide-Ransomware geworden. Dabei schöpften die Hacker-Gruppe ca. 100GB an Daten ab und verlangten zunächst die Zahlung von 2.000.000 USD, wobei sich diese Summe mit Ablauf einer von den Angreifern festgesetzten Frist auf 4.000.000 USD verdoppeln sollte.
Infolge des Angriffs sah sich Colonial Pipelines zwecks Einhegung des Angriffs dazu gezwungen, einen Teil seiner IT-Systeme offline zu nehmen. Dadurch kam es zur vorübergehenden Unterbrechung des Pipeline-Betriebs. Wie aus einem Bericht der Zeitung „The Wall Street Journal“, der sich auf Insiderkreise beruft, hervorgeht, scheinen die Steuerungssysteme der Anlage vom Angriff verschont worden zu sein, da sie als Teil kritischer Infrastruktur grundsätzlich separat von der restlichen IT betrieben werden.
Die von Houston, Texas nach Linden, New Jersey verlaufende Pipeline liefert mit täglich 2.5 Millionen Barrel ca. 45% des an der Ostküste der USA benötigten Kraftstoffs und versorgt damit über 50 Millionen Einwohner. Sollte ihr Betrieb nicht innerhalb kürzester Zeit wiederaufgenommen werden können, werden Versorgungsengpässe an Tankstellen oder Flughäfen befürchtet. Ein Anstieg der Benzin-Preise konnte bereits unmittelbar nach dem Angriff beobachtet werden.
Zur Aufklärung des Vorfalls hat der Pipeline-Betreiber ein IT-Sicherheitsunternehmen sowie die US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden eingeschaltet. Gegenwärtig ermittelt u.a. die US-Bundespolizei FBI in der Sache.
Nachtrag vom 14.05.2021:
Nachdem einer Vielzahl von Tankstellen in mehreren von der Pipeline belieferten Bundesstaaten das Benzin ausgegangen war, begann Colonial Pipeline am 13. Mai 2021 mit der Wiederaufnahme des Betriebs. Es wird vermutet, dass es mehrerer Tage bedürfen wird, die regulären Lieferkapazitäten zu erreichen.
Colonial Pipeline scheint den Lösegeldforderungen der Hacker entsprochen zu haben. Einem Bericht des Nachrichtenportals „Bloomberg“ zufolge zahlte das Unternehmen umgerechnet 5.000.000 USD in Kryptowährungen im Austausch für die Entschlüsselungsschlüssel. Da die Entschlüsselung mit diesen allerdings zu viel Zeit in Anspruch nahm, soll Colonial Pipelines zur Wiederherstellung der Systeme auf Sicherheitskopien der wichtigsten Daten zurückgegriffen haben, welche sich auf intermediären Servern befunden hatten.
Nachtrag vom 21.07.2022:
Durch einen Einsatz der neu gegründeten Task Force für Ransomware und digitale Erpressung des Department of Justice konnten bereits im Juni 2021 4,4 Millionen USD aus dem erpressten Lösegeld sichergestellt und dem betroffenen Unternehmen zurückerstattet werden.
Nachtrag vom 15.01.2024:
Im August 2021 wurde bekannt, dass bei dem Angriff personenbezogene Daten von 5.810 Menschen abgegriffen wurden.