Die erste Amtshandlung des neuen Präsidenten Costa Ricas war die Verkündigung des nationalen Cyber-Notstandes am 8. Mai 2022, dem Tag seiner Vereidigung. Damit will er dem Land zusätzliche Ressourcen zur Verfügung stellen, um sich gegen einen Ransomware-Angriff zur Wehr zu setzen, welcher seit dem 18. April 2022 nahezu alle Regierungs- und Verwaltungsstellen erschüttert. Das Land arbeitet seit diesem Tag ohne digitale Gelddienstleistungen.
Die Attacke der Conti-Gruppe richtet sich gegen die Ministerien für Finanzen, Wissenschaft, Innovation, Technologie, Telekommunikation, Arbeit und soziale Sicherheit, Entwicklung und Familienbeihilfen sowie das meteorologische Institut, die Zollverwaltung, die Sozialversicherungskasse und das Interuniversitäre Hauptquartier. Da sich das Land weigerte, die geforderten 10 Mio. USD Lösegeld zu zahlen, veröffentlichten die Cyberkriminellen den größten Teil der 672 GB an Daten, welche sie im Zuge des Angriffs gestohlen hatten.
Eine Exporteursgewerkschaft schätzte alleine die Ausfälle Costa Ricas für Zoll- und Steuerabgaben seit Beginn des Angriffs auf 200 Mio. USD.
Die USA haben am 6. Mai 2022 eine Belohnung in Höhe von 10 Mio. USD für Informationen zur Identifizierung und Lokalisierung der Conti-Gruppe sowie weitere 5 Mio. USD für Hinweise zur Ergreifung und Verurteilung von Conti-Mitgliedern ausgesetzt.
Besonders brisant wird der Vorfall durch die Erklärung der Hackergruppe, das der Angriff gegen Costa Rica nur eine Demo-Version gewesen sei, welche von nur zwei Personen ausgeführt worden war. Conti kündigte an, künftig ein größeres Team für derartige Angriffe mit erheblich weitreichenderen Auswirkungen einzusetzen.
Nachtrag vom 17. Mai 2022:
Die Conti-Erpresserbande hat das Lösegeld auf 20 Millionen USD erhöht. Nach bisherigen Erkenntnissen sind 27 Insititutionen des costa-ricanischen Staates betroffen.