Am 20. Oktober 2026 wurde bekannt, dass acht Zwischenzertifikate der indischen Zertifizierungsstelle eMudhra mit extrem schwachen privaten Schlüsseln arbeiteten. Mit diesen Schlüsseln konnte jeder von Browsern und Apps als vertrauenswürdig akzeptierte Zertifikate für beliebige Internetserver ausstellen.
Auf der Seite emudhra.we-have-a-problem.com erschien die Nachricht „We have a problem here – Wayne“. Sie war mit dem privaten Schlüssel eines der eMudhra-Zertifikate signiert und belegte so, dass der Melder den Schlüssel kontrollierte.
Die Schlüssel waren auf ein unvorstellbar niedriges Niveau geschrumpft. Normal wären bei einem NIST-P-384-Schlüssel etwa 384 Bit Entropie. Die kompromittierten Schlüssel lagen laut Bericht jedoch bei 3 bis 8 Bit. Die Ursache ist unklar. Experten vermuten einen Fehler bei der Schlüsselerzeugung oder Beispielcode, der versehentlich in die Produktion gelangte. Eine absichtliche Sabotage ist reine Spekulation.
Bis zum Vormittag des 20. Oktober 2026 sperrten Browserhersteller sowie einige große Apps und Programmiersprachen alle acht Zwischenzertifikate. Hinweise auf einen missbräuchlichen Einsatz in den Certificate-Transparency-Logs gab es nicht. Ausnahme war Edge unter Windows 10, das noch Verbindungen zu 12 verwundbaren Hosts aufbaute.
Die Bedrohung bleibt bestehen, da Linux-Distributionen, IoT-Geräte, Docker-Container und Tools mit eigenen Zertifikatslisten nur langsam aktualisiert werden. Der Kryptografie-Entwickler Filippo Valsorda erwartet eine Aufräumarbeit, die größer sei als bei Heartbleed. Am stärksten gefährdet sind VPN-Nutzer, besonders in Ländern mit staatlicher Verkehrsüberwachung. Ein Angriff erfordert eine aktive Man-in-the-Middle-Position.
Signal, WhatsApp und Wireguard sind nicht betroffen.