Der IT-Dienstleister Bitmarck, welcher mit 80 gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland zusammenarbeitet, ist nach einem Cyber-Angriff im Januar 2023 (wir berichteten) am 25. April 2023 erneut Opfer einer Cyber-Attacke geworden.
Das Unternehmen konnte den Angriff zwar abwehren, jedoch kommt es aufgrund heruntergefahrener IT-Systeme zu zahlreichen Ausfällen von Portalen und digitalen Dienstleistungen für verschiedene Krankenversicherungen mit direkten Auswirkungen für Versicherte. Die Abschaltungen der Systeme wurden gezielt vorgenommen, um negative Auswirkungen des Angriffs zu unterbinden bzw. diesen zu vereiteln.
So fällt das System für Zuzahlungsprüfungen für Versicherte folgender Versicherte seit dem 25. April 2023 aus. Betroffen davon sind die Kassen Audi BKK, BAHN-BKK, BKK Miele, BKK Pfalz, Bosch BKK, hkk, pronova BKK, Siemens BKK, IKK - die Innovationskasse, mhplus, BMW BKK, BKK VBU, vivida bkk und die IKK Classic.
Die Telematik-Infrastruktur (TI), die von Bismarck bereitgestellt wird, sorgt bei folgenden Versicherungen dafür, dass elektronische Patientenakten (ePa), die Zustellung von elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) und die Zustellung von elektronischen Arztbriefen momentan nicht möglich ist. Betroffener Versicherer sind die Allianz, hkk, DAK, KKH, Mobil BKK, svlfg, BKK und IKK.
Die SBK teilte zudem mit, dass die Erreichbarkeit der Krankenkasse per Telefon, E-Mail oder die unternehmenseigene App aufgrund des Vorfalls nicht gegeben ist. Auch in Geschäftsstellen können laut einer Mitteilung auf der Webseite der SBK keine Anliegen bearbeitet werden.
Der Cyber-Angriff hat des Weiteren zufolge, dass es zu einem Ausfall des Internetauftritts von Bitmarck kam. Das Unternehmen hat mittlerweile eine provisorische Webseite aufgebaut, welche Kunden über den Vorfall informiert. Laut eigenen Angaben stellte der Dienstleister bei dem gesamten Vorfall bisher keine Datenabflüsse fest.
Nachtrag vom 15. Mai 2023:
Während Zahlungen für Leistungen wie Pflegegeld mittlerweile wieder getätigt werden können, befinden sich 40 Krankenkassen nach wie vor im Notbetrieb. Die Elektronische Patientenakte ist mittlerweile wieder für Leistungserbringer wie beispielsweise Ärzte zugänglich, Versicherte können noch nicht vollständig darauf zugreifen. Es sind weiterhin Service-Apps der Audi BKK, der Bahn BKK, der Debeka BKK und der HKK von dem Vorfall so betroffen, dass diese Apps nicht nutzbar sind.
Nachtrag vom 4. Juni 2023:
Sämtliche Krankenkassen arbeiten laut eigenen Angaben wieder weitgehend normal, es kann jedoch weiterhin zu kleinen Verzögerungen kommen. Laut aktuellem Stand gibt es laut Bitmarck weiterhin keine Informationen dafür, dass es zu einem Datenabfluss gekommen ist.