Der Essenslieferdienst Lieferando verwendet die App „Scoober“, um Lieferaufträge an seine Fahrer, sog. Rider, zu verteilen. Wie nach Datenauskunftsanfragen mehrerer Rider bekannt wurde, speicherte die App dabei eine ganze Bandbreite verschiedener, personalisierter Daten und bewahrt diese über Jahre auf. Einige Einträge stammen noch aus dem Jahr 2018.
Aus einer Recherche des Bayerischen Rundfunks zu dem Fall ging hervor, dass pro Lieferauftrag ganze 39 Parameter erfasst werden. Zu diesen gehören u.a. die Zeitpunkte der Auftragserteilung und Abwicklung. Zu einzelnen, in Vollzeit beschäftigten Fahrern wurden so pro Jahr über 100.000 Einträge registriert. Über die nicht-anonymisierten Daten ließ sich die Performance einzelner Fahrer detailliert nachvollziehen.
Lieferando erklärte, dass die App datenschutzkonform sei und nicht zur Überwachung von Beschäftigten eingesetzt werde. Vielmehr sei die Erfassung von Zeitpunkten und Orten erforderlich für einen ordnungsgemäßen Betriebsauflauf seines Lieferservices.
Stefan Brink, der Datenschutzbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, kritisierte die Tracking-Funktion der App hingegen als klar rechtswidrig und leitete den Fall an die niederländische Datenschutzaufsichtsbehörde weiter (Lieferandos Mutterkonzern „Just Eat Takeaway“ hat seinen Sitz in Amsterdam). Sollte die niederländische Behörde Brinks Einschätzung teilen, könnte Lieferando ein Bußgeld in Millionenhöhe drohen.