In den USA werden die Bewegungsdaten vieler Mobiltelefon-Nutzer aufgezeichnet, ausgewertet und an Drittfirmen verkauft. Dazu gehören auch die Daten von Frauen, welche Kliniken aufsuchen, in denen Abtreibungen vorgenommen werden. Ein entsprechender Datensatz, der die Besuchsdaten im Zusammenhang mit 600 Planned-Parenthood-Kliniken und den Zeitraum von einer Woche umfasste, wurde für 160 USD verkauft.
In einem Schreiben an die Federal Trade Commission (FTC) haben demokratische US-Senatoren am 19. Mai 2022 auf diese Praxis hingewiesen und die Behörde dazu aufgefordert, Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre der betroffenen Frauen zu ergreifen. Die Senatoren kontaktierten am 17. Mai 2022 auch zwei der Unternehmen, welche in diesem Marktsegment des Datenhandels tätig sind, und forderten diese Firmen zur Beendigung dieser Geschäfte auf. Eines dieser Unternehmen hat daraufhin bestätigt, künftig keine derartigen Daten mehr zu verkaufen.
Wie brisant dieses Thema ist und welche Tragweite die Praxis der Sammlung, Auswertung und des Verkaufs solcher Daten haben kann, wird am Beispiel von Frauen deutlich, die während ihres Aufenthalts in einer Abtreibungsklinik gezielt Anti-Abtreibungs-Anzeigen auf ihr Smartphone erhielten, welche von Organisationen stammten, die sich gegen Schwangerschaftsabbrüche engagierten.