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Cyber Security Briefing

Cyber Security Briefing
20. Oktober 2026

Die japanische Polizei nahm ein Mitglied der Hackergruppe Qilin fest und lieferte es nach Deutschland aus, 5 von 9 großen Chatbot-Betreiber verkaufen die Chatlogs ihrer Kunden an Dritte, der AdFection-Skandal: Google-Werbepartner Discover-Tech half bei der Verbreitung von Zero Click-Spionagesoftware.

Distillation-Angriff auf OpenCode: Nutzerkonsolen betroffen.

Unbefugte griffen in der Nacht zum 17. Oktober auf ein altes System der OpenCode Console zu, das das Unternehmen gerade außer Betrieb nehmen wollte. Dies bestätigte der Betreiber am folgenden Tag. Betroffen sind demnach einige Console-Nutzer, die externe Anbieter angebunden hatten. In deren Workspaces gespeicherte API-Schlüssel von Drittanbietern, etwa von OpenAI, Anthropic und Google, wurden möglicherweise offengelet.

OpenCode vermutet einen groß angelegten Distillation-Angriff. Dabei greift man Antworten leistungsstarker KI-Modelle en masse ab, um damit das eigene Modell zu trainieren. Wie die Angreifer in das System des Unternehmens gelangten, wie lange sie Zugriff darauf hatten und wie viele Schlüssel betroffen sind, teilte man bislang nicht mit. Laut OpenCode war der Vorfall bei der Veröffentlichung der Mitteilung noch nicht abgeschlossen.

Betroffenen zufolge fielen über Nacht erhebliche Fremdkosten an: mehr als 400 USD bei Anthropic, über 1.000 USD bei Google Cloud – und in einem Fall sogar über 1.700 USD. Bestehendes Guthaben war aufgebraucht, teils wurden automatische Aufladungen ausgelöst. Anthropic erklärte, es habe vermutlich betroffene Claude-API-Schlüssel widerrufen.

OpenCode informierte die Betroffenen per E-Mail und arbeitet nun mit Anthropic, OpenAI und Google zusammen an der Klärung. Nutzer sollen Schlüssel direkt beim jeweiligen Anbieter widerrufen und ersetzen, Anwendungen aktualisieren sowie Nutzung und Abrechnungen prüfen. Ein Löschen des Schlüssels in OpenCode allein genügt nicht.

Sie sind das Produkt: Große Chatbot-Betreiber verkaufen Kundendaten.

Eine Studie des IMDEA Networks Institute hat untersucht, welche Chatbot-Betreiber die Daten ihrer User an Dritte weitergeben – und was für Daten das sind. Das Ergebnis der bislang als Preprint verfügbaren Studie ernüchtert: Alle neun großen Namen tun genau das, und nicht zu knapp.

ChatGPT, Claude, DeepSeek, Gemini, Grok, Perplexity und Co. geben allesamt Metadaten an. Fünf von ihnen geben jedoch noch weitaus mehr Informationen weiter. Sie teilten Permalinks zu Chatverläufen mit Werbetrackern und/oder externen Dienstleistern.

Auch die Cookie-Speicherung stellte sich als problematisch heraus. Auch, wenn ein Nutzer ablehnte, blieben über 80% der Drittanbieter-Tracker aktiv. Akzeptierte man hingegen, schalteten die Unternehmen zusätzliche Tracker. Kostenlose und zahlende User waren gleichermaßen betroffen.

Besonders brisant ist dies für Unternehmen, die Chatbots in ihre Arbeitsabläufe integrieren. Teilen Mitarbeitende z.B. Dateien mit dem Bot, deren Namen Auskunft über das Unternehmen und dessen Interna geben können, so haben Werbeanbieter und Dienstleister Zugriff auf genau dieses Wissen. Darüber hinaus wurden die Chatverläufe nicht in Isolation weitergegeben, sondern in Verbindung mit E-Mails und Nutzerkennungen – nichts davon ist also mehr anonym.

Der AdFection-Skandal: Wie Webseiten-Werbung zum Malware-Carrier wurde.

Forschende des Citizen Lab der Universität Toronto berichteten unter dem Namen AdFection über eine Angriffsmethode, bei der die Infrastruktur von programmatischer Online-Werbung für Spionageangriffe missbraucht wird. Opfer müssen weder Links anklicken, noch Anhänge öffnen (Zero Click): Schon das Laden einer manipulierten Anzeige in einer App oder auf einer Webseite genügt.

Bindeglied zwischen Werbebranche und Spionagesoftware-Anbietern war dem Bericht nach das israelische Unternehmen Discover-Tech. Es war bei Branchenverbänden wie IAB Europe und Google als Werbepartner gelistet und belieferte Hunderttausende Webseiten und Apps mit Anzeigen. Darunter waren u.A. WetterOnline, Duolingo, Viber und mehrere Dating-Plattformen. Über Tracking-Systeme legte Discover-Tech zunächst Profile von Millionen potenziellen Opfern an.

Die Plattform Controlium hingegen diente als zentrale Steuereinheit für Spionagefirmen wie Candiru, Bindecy und Intelos. Bei Anzeigen von Discover-Tech wurden Werbe-ID und IP-Adresse des Endgeräts an dessen Server übermittelt. Bei Zielpersonen wurde dann ein schädlicher JavaScript-Code ausgeliefert, der im Hintergrund lief, Schwachstellen ausnutzte und das Gerät infizierte. Die Anzeigen selbst enthielten keinen Exploit-Code. So umgingen die Täter automatisierte Schutzmechanismen der Plattformen.

Im Zentrum stand jedoch die Spyware der Firma Candiru. Citizen Lab zufolge infizierten die Täter beim katarischen Sender Al Jazeera zwischen 2024 und 2025 mindestens 45 Geräte, vor allem Windows-Rechner, über manipulierte Anzeigen. Interne Logdaten belegen dies. Auch das Außenministerium Saudi-Arabiens geriet offenbar ins Visier. Außerdem sollen manipulierte Anzeigen auf Geräten mit Verbindung zu NATO, UN und EU sowie bei Tech-Konzernen und Chip-Herstellern ausgespielt worden sein.

Google und IAB Europe entfernten Discover-Tech nach Bekanntwerden der Studie von ihren Plattformen und Vermarkterlisten. Das Bundesamt für Verfassungsschutz sieht ein erhebliches Gefährdungspotenzial.

Qilin-Hacker festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert.

Im Rahmen der Strafverfolgung der Ransomware-Gruppe Qilin wurde bekannt, dass diese im September 2024 ein Logistikunternehmen aus Nordrhein-Westfalen angegriffen hatte. Der dabei entstandene Schaden soll sich auf 100 Millionen USD belaufen.

Bei den Ermittlungen im Zuge der Attacke fand die Polizei forensische Artefakte, die sich als ausschlaggebend für den Erfolg der Operation ALBUS erwiesen. Diese koordinierte internationale Untersuchung zielte darauf ab, Qilins Mitglieder zu identifizieren, nachzuverfolgen, sowie sie verhaften und anklagen zu können.

Mit einem nicht näher bezeichneten Hinweis gelang es den Ermittlern, die von der Gruppe verwendete Infrastruktur zu analysieren und die Krypotransaktionen nachzuverfolgen. Diese führten zu einem Verdächtigen unter dem Pseudonym "Snake", der später als Vladimir K. identifiziert wurde. Dieser war vorrangig als Entwickler für die Gruppe tätig und erheblich an den Lösegeldzahlungen beteiligt.

Danach konnten Polizisten in seinen Computer eindringen und drei weitere Täter identifizieren. Diese hielten sich demnach in Russland auf. Das Landeskriminalamt NRW und die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW überwachten die Nachrichten von Vladimir K. in Echtzeit. Dabei erfuhren sie von einer geplanten Japanreise. Die japanische Polizei konnte ihn im Mai 2026 in einem Hotel in Osaka festnehmen.

Anfang Oktober 2026 wurde K. dann an die deutschen Ermittlungsbehörden ausgeliefert. Ihm wird auch der Angriff auf den Krankenhausdienstleister Synnovis zur Last gelegt. Eine der verheerenden Folgen dieser Attacke war das erste bekannte Todesopfer aufgrund eines Cyberangriffs.

Quellen